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Selbstbedienung auf der Blumenwiese

Sommerschenburg, den 11.04.2018

Die erste Blumenwiese zum Selberschneiden in der Oberen Aller ist am Ortsrand von Sommerschenburg eröffnet worden.

 

„Die Tulpe hat schon richtig viel geleistet.“ Christin Schuster nennt die Einzahl, meint damit aber die Gesamtmenge der im Herbst ins Erdreich eingebrachten Tulpenzwiebeln. Mehr als 4000 Stück haben über Winter auf der Blumenwiese „Seventy-Nine“ geschlummert und recken nun die Laubblätter Richtung Frühlingssonne. „Unterirdisch hat die Tulpe gut 30 Zentimeter geschoben“, weiß Schuster als ausgebildete (und passionierte) Gärtnerin und studierte Landschaftsarchitektin.

„Ein paar Tage noch, dann blüht sie auf.“ Das dann in breit gefächerter Farbenpracht und in Gemeinschaft mit einigen Hundert Narzissen, die ebenso schnittbereit für jedermann auf der grünen Wiese wachsen. Später kommen noch Zinnien und Schmuckkörbchen, Physalis und Margeriten, Sonnenblumen und Dahlien hinzu sowie die „Abteilung Naschbeet“ mit Artgenossen, deren Blüten nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch für den Verzehr geeignet sind.

Nachbar öffnet seinen Streuobstgarten

Das Konzept der Blumenwiese zum Selberpflücken ist zwar nicht neu und vor allem in den alten Bundesländern vielerorts anzutreffen. „Aber hier in der Gegend gab es so etwas bisher nicht“, so Christin Schuster. Also ist die 27-Jährige zusammen mit ihrem Lebenspartner Axel Orzel selbst in die Bresche gesprungen: „Unser Grundstück gibt es her, der Boden ist top, und für mich selbst steckt eine große Leidenschaft im Thema Pflanze, die ich gern mit anderen Menschen teile. Von daher ist das Projekt auch mit einer guten Portion Idealismus verbunden.“ Einen Sinnesgenossen hat Christin Schuster in Helmut Mittendorf gefunden. Er wohnt direkt nebenan, war und ist „ganz begeistert von der Idee“ und macht seinen urwüchsigen Streuobstgarten gleich mit zugänglich – inklusive schattiger Sitzecke.

„Wir hoffen, mit dem Konzept auch aufmerksam zu machen auf den wichtigen Bereich des ökologischen Gartenbaus“, sagt Schuster, „und wollen hier perspektivisch auch mal Obstsortenbestimmung oder Obstbaumschnittkurse veranstalten.“ Fachliche Partner stehen ihr dabei zur Seite, unter anderem die Gartenakademie Sachsen-Anhalt e. V., die der Sommerschenburger Blumenwiese gleich zur Eröffnung am Sonntag die Öko-Plakette „Natur im Garten“ verliehen hat.

Kasse des Vertrauens

Der Name „Seventy-Nine“ bezieht sich auf Schusters und Orzels Hausnummer in der Gneisenaustraße. „Der Zugang zur Blumenwiese erfolgt allerdings über einen Feldweg, der hinter dem Haus parallel zur Gneisenaustraße verläuft“, so ihr Hinweis. Der Weg zweigt innerorts von der Landesstraße 106 ab, sowohl aus Richtung Badeleben als auch aus Richtung Belsdorf/Marienborn kommend. „Er wird auch noch befahrbar hergerichtet und ausgeschildert“, versichert Christin Schuster.

Das Gatter zur Blumenwiese werde nicht verschlossen: „Weder gibt es Öffnungszeiten noch muss man sich bei uns melden. Man kann sich bei Bedarf einfach rund um die Uhr bedienen.“ Schnittzubehör liegt bereit, auf einer Tafel wird alles Wichtige zur Nutzung und zum richtigen Schnitt erläutert. Einzige Bedingung an den Selbstpflücker schließlich: der Wertausgleich. Der beträgt pauschal 30 Cent pro Blume und wird vor Ort in die Kasse des Vertrauens gezahlt.

 

Foto: Es grünt schon kräftig auf der Blumenwiese „Seventy-Nine“, in ein paar Tagen erblühen 5000 Tulpen und Narzissen. Christin Schuster (M.) empfiehlt, sie kurz vor dem Aufgehen zu schneiden: „Sie halten sich dann bis zu zwei Wochen in der Vase.“ Links von ihr Axel Orzel, rechts Helmut Mittendorf mit Haushündin Leika.

 

Text und Foto: Ronny Schoof - Volksstimme